9. VuP-Forum:

Global Player trifft auf Mittelständler und Startups

Wer in der heutigen Zeit wettbewerbsfähig sein will, muss auch immer ein Auge auf die neusten Trends haben. Sich auf dem Erreichten ausruhen kann man nicht. Der Zwang sich ständig weiter zu entwickeln, sich zu verändern und anzupassen, bedeutet für Unternehmen eine große Herausforderung. Innovationskraft muss dabei aber nicht zwangsläufig ausschließlich aus den eigenen Reihen kommen. Durchstarten kann man auch anders: Mit anderen. Gemeinsam. Etablierte Unternehmen haben deshalb schon seit einiger Zeit die Idee für sich entdeckt mit Startups und jungen Mittelständlern zusammen zu arbeiten, um davon zu profitieren und ganz nebenbei das eigene Geschäftsmodell zu stärken. Startups, Mittelständler und Konzerne müssen nicht unbedingt ausschließlich Wettbewerber sein. Ganz im Gegenteil: Auf dem VuP-Forum 2018, am 22. Februar, gaben die Durchstarter aus Logistik und IT Beispiele, wie man es richtigmacht.

Bewährtes in neuem Gewand: VuP-Forum das erste Mal in den Räumlichkeiten des avwl

Dr. Norbert Tiemann übernahm wieder die Moderation der wichtigsten Kundenveranstaltung von Vallée und Partner. Gewohnt erfrischend locker führte der Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten mit seinem sympathischen Moderationsstil durch die Vorträge der verschiedenen Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft.

Für das Team von Vallée und Partner war es eine Premiere. Das erste VuP-Forum nach dem Umzug in den Willy-Brandt-Weg 13 fand in den Räumlichkeiten des avwl statt. Auch das Programm sollte diesem Anlass angemessen sein. Die fünf hochkarätigen Vorträge erhielten viel Beifall von rund 100 Besuchern, die zur neunten großen Kundenveranstaltung von Vallée und Partner gekommen waren.

Die Digitalisierung und ihre positiven und auch negativen Folgen, schlagen sich mittlerweile in vielen Teilen der Gesellschaft und auch im unternehmerischen Umfeld nieder. Einerseits ist dies Ausweis dafür, dass wir in spannenden und bewegten Zeiten leben. Andererseits sind Unternehmen auch genötigt sich Konzepte zu überlegen, wie sie den großen Trends begegnen und wie sie ihr Geschäftsmodell erhalten können.

Lösungen für den Handel finden

Einen ersten Eindruck vermittelte Torsten Waak von Wasen, der den ersten Vortrag zum Thema „Digitalisierung im Handel – die Zukunft des Handels“ hielt. Waak von Wasen (CEO von Alteri Investors) beschrieb die Anforderungen, die die Digitalisierung an Unternehmen stellt als Marathon. Es sei nicht damit getan ein Projekt durchzuführen und dann die Angelegenheit beiseite zu schieben und zu vergessen, erklärte er. Digitalisierung meint fortlaufende, kontinuierliche Innovation. Das heißt, man muss in vernünftigen Zeiträumen denken. Argumente müssen gesammelt und abgewogen werden und auch nachvollziehbar sein. Erfolge von Digitalisierungsprojekten lassen sich recht schwer messen. So kommt es vor, dass Projekte mangels Erfolgsmeldungen zu früh eingestampft werden. Der passionierte Segler verglich das Team, welches man für ein Digitalisierungsprojekt benötigt, mit der Zusammenarbeit auf einem Schiff auf See. Jeder müsse seinen Teil leisten, damit das große Ganze funktionieren kann. Diskussionen über die Organisationsstrukturen kosten Zeit, Geld und Nerven. Diese Fragen gilt es im Vorfeld zu klären, damit man sich im Projektverlauf auf die Aufgabe konzentrieren können. So kann es notwendig sein, sich von etablierten Mustern und klassischen Silostrukturen zu lösen.

 

 

Handelswelt ändert sich dramatisch und glaubt noch stark an Hierarchien

 

 

Mit Datenqualität wie eine Rakete abgehen – Schlechte Daten kosten echtes Geld.

Eine breite, belastbare Grundlage der Digitalisierung ist für Dr. Tobias Brockmann von der Innoscale AG das Master Data Management. Als Co-Founder und Head of Operations entwickelt er in einem engagierten und erfahrenen Team eine „DataRocket“. Damit gemeint ist eine einfach zu bedienende, moderne und flexible Softwarelösung, um die Datenqualität im eigenen Unternehmen in den Griff zu bekommen. Digitalisierung kann ohne Datenintegrität, schon begriffsimmanent, nicht funktionieren, so Brockmann. In seinem Vortrag „Greater by Data“ erläuterte er typische Stammdatenqualitätsprobleme. Diese sind beispielsweise falsche Dispositions-Parameter, fehlerhafte Sicherheitsbestände und Adressdaten oder auch Dubletten.

Die Konsequenz aus schlechten Daten sind vielfältig. Falsche Aussagen über die Verfügbarkeit von Produkten ist hier ein prominentes Beispiel. Auch die Lieferzufriedenheit der Kunden sinkt potenziell, wenn sich die besagten Probleme realisieren. Ein schlecht oder falsch informierter Kunde ist ein unzufriedener Kunde. Jeder schlecht gepflegte oder fehlerhafte Datensatz koste am Ende echtes Geld, so Brockmann. Um wettbewerbsfähig zu bleiben müssen alle unnötigen Fehler vermieden werden. Ist die Grundvoraussetzung der Datenintegrität gewährleistet, vermögen Daten den größten Nutzen zu bringen. Eben dann, wenn sie belastbar einsetzbar sind. Die „DataRocket“ von der Innoscale AG schlägt diese Brücke. Zentrale Vorteile sind eine messbare Zeitersparnis, mehr Übersichtlichkeit und eine damit einhergehende Fehlerreduzierung. Die effektivere Nutzung interner Ressourcen ist ein weiteres Argument für die „DataRocket“. Auch eine verbesserte Investitionssicherheit und mehr Entscheidungsfreiheit durch bessere Datenbereitstellung für das Management reklamiert Brockmann für das vorgestellte Produkt zur Datenoptimierung.

Was ist Stammdatenmanagement?

„Stammdatenmanagement beschreibt organisatorische und/oder technologiebasierte Aktivitäten bei denen Geschäftsbereiche zusammen mit der IT-Abteilung arbeiten, um die Qualität der unternehmensweiten Stammdaten zu verbessern und Hoheit über diese zu erlangen“, Gartner Inc.

 

40 Gramm für die Alltagsaufgaben der Logistik

Als nächstes folgte etwas zum Anfassen. Das Alltagsgeschäft in Lager und Produktion ist bekanntlich stressig. Alles dort muss so reibungslos und einfach funktionieren, wie möglich. Der Scanvorgang zur Vorgangsquittierung oder Warenbewegungen, der täglich massenhaft durchgeführt wird, ist einer der größten Zeitfresser. Marc Wagner von ProGlove (Workaround GmbH) stellte in seinem Vortrag einen integrierten Datenhandschuh vor, der es ermöglicht alle Buchungsvorgänge mit größerer Geschwindigkeit, verbesserter Qualität und direkt verwertbar durchzuführen. Auch schwärmt Wagner, der als Head of Direct Sales für ProGlove wirkt, von den praktischen Eigenschaften des Handschuhs. 40 Gramm Gewicht unterbieten alle Konkurrenzprodukte auf dem Markt bei weitem.  Für den Nutzer, der den Handschuh den ganzen Tag trägt, ist das mehr als eine Zahl. 40 Gramm anstelle von 400 Gramm machen einen gewaltigen Unterschied, so Wagner.

Die Anwendungsbereiche für den integrierten Datenhandschuh sind sehr vielfältig. Er lässt sich in der Inbound- und Outbound-Logistik einsetzen. Auch in der Produktion selbst und der Produktionslogistik ist der Einsatz des Handschuhs problemlos denkbar. Namenhafte Autohersteller und Supermarktketten nutzen den Datenhandschuh von ProGlove schon seit einiger Zeit.

Netzwerken & Ausprobieren in der Pause

Während der Pause konnten die Gäste den Datenhandschuh von ProGlove selbst ausprobieren. Auch die Möglichkeit für Gespräche mit den anderen Referenten wurde wahrgenommen. Selbstverständlich wurde auch für einen Imbiss gesorgt, damit alle Teilnehmer gestärkt in die zweite Hälfte starten konnten.

Förderung von Start-ups – Kooperation als möglicher Schlüssel für Corporates

Ein Beispiel, wie etablierte Unternehmen oder auch Konzerne mit Start-ups kooperieren können, erläuterte Andreas Pott von der Fiege Gruppe. In einem vierköpfigen Team fördert und unterstützt er als Director for Corporate Development ausgewählte Start-ups, um langfristig von neuen Ideen profitieren zu können. Diese Verbindung ist von beiderseitigem Vorteil. Durch die Unterstützung sichert sich Fiege Zugriff auf neue, zukunftsweisende Ideen. Das Start-up erhält seinerseits finanzielle Unterstützung, einen Entwicklungsschub, profitiert von den gut ausgebauten Netzwerken und steigert seine Bekanntheit. Pott beschrieb in seinem Vortrag „optimale Zusammenarbeit von Start-ups & Corporates aus Fiege-Sicht“, wie eine konkrete Zusammenarbeit aussehen kann. Die Eigenständigkeit des Start-ups zu erhalten ist dabei sehr wichtig. Nicht nur für die Motivation der Gründer, sondern auch, um den Innovationsschwung nicht zu verlieren. Man muss einer neuen Idee die Möglichkeit der Entfaltung geben, erläuterte Pott. Das gelänge nicht, wenn man ein Start-up in vorhandene Strukturen überführe und es so zu sehr einschränke. Fehler sind dabei ausdrücklich erwünscht und Teil des Entwicklungsprozesses.

Andreas Pott stellte in seinem Vortrag klar, dass es beim Punkto Eigenständigkeit nicht bei einer Floskel bleiben dürfe. Eine echte Partnerschaft bringe Nutzen für beide Seiten. Dies beginne damit, dass klar kommuniziert werden müsse, was beide Seite tatsächlich benötigen. Gegenseitiger Respekt ist notwendig für diese Partnerschaft. Das bedeutet für den größeren, etablierten Partner auch anzuerkennen, dass das Start-up in Sachen Innovationskraft wahrscheinlich besser aufgestellt ist als der etablierte Partner. Kulturelle Unterschiede zwischen Fiege und Start-ups versteht Pott als Stärke und als Gelegenheit vorhandene Strukturen zu hinterfragen. Er regte an sich diese Kräfte zu Nutze zu machen und sie nicht zu unterbinden. Nach seiner Erfahrung, wird der größerer Partner so als offen und fair wahrgenommen. Start-ups können als externes Forschungs-und Entwicklungszentrum dienen. Macht man es richtig, werden die eigenen Mitarbeiter von der Gründerstimmung angesteckt.

 

Fail fast. Fail often. Always Fail forward.

 

Routenplanung mit NUNAV – Gäste des VuP-Forums reisen mit App an

Den letzten Vortrag hielt Alexander Meister von der Firma Graphmasters. Er beschrieb die Herausforderungen, denen sich Speditionen jeden Tag ausgesetzt sehen. In der sich immer rasanter entwickelnden Welt, seien Waren schneller und zielgerichteter zu transportieren. Effizienz sei an dieser Stelle sehr wichtig, erläuterte der Verantwortliche für Customer Success. Und zwar für gleich mehrere Bereiche. Effiziente Routen sparen nicht nur Zeit sondern auch CO2 ein.

Effiziente und damit planbare Routen gestalten es zudem einfacher rechtliche Vorgaben bei den Lenkzeiten einzuhalten.  Eine Lösung bietet da die bekannte APP NUNAV. Das Navigationssystem ist auch für Privatnutzer für IOS und auch für Android-Geräte für den Download verfügbar. Die App macht sich eine intelligente Schwarmintelligenz zunutze. Jedes Fahrzeug bekommt eine individuelle Route zugeordnet. Dabei ist jede Straße mit einer Kapazitätsobergrenze versehen, sodass die Summe aller Fahrzeuge auf die bestehende Infrastruktur verteilt werden kann. Damit sind Routingmodelle möglich, die weit über die herkömmlichen „kürzester Weg-Modelle“ hinausgehen. Staus werden so aktiv vermieden. Im Vorfeld des VuP-Forums wurde den Gästen empfohlen probeweise mit der App anzureisen. Ein Angebot das viele Teilnehmer gerne wahrnahmen und positiv überrascht waren.

Alexander Meister stellte im Rahmen seines Vortrages auch NUNAV Courier vor. Diese Applikation erweitert die dynamische Routenoptimierung für Kurier, Express und Paketzulieferer. Damit will Graphmasters die Zustellung in der Logistikbranche revolutionieren und bringt eine dynamische Tourenzuteilung in eine Branche die täglich mit dem Vehicle Routing Problem konfrontiert ist. Die ersten Projekte zeigen hier erhebliches Potential: für einzelne Touren konnten Zeiteinsparungen von über 30% realisiert werden – einzelne Hubs konnten die Zahl der notwendigen Fahrzeuge über 20% reduzieren. Insbesondere neue Fahrer profitieren dabei erheblich durch nun dokumentiertes „Kopfwissen“ der Kollegen.

 

Effizienz wird auf allen Ebenen benötigt. Durch intelligente, dynamische Routenoptimierung spart man über 30% der Strecken ein

 

Prof. Dr. Franz Vallée zieht Fazit

Prof. Dr. Franz Vallée ließ es sich nicht nehmen zum Ende des VuP-Forums 2018 noch ein paar Worte zu sagen. Er resümierte, dass Digitalisierung durch alle Ebenen gedacht und gelebt werden müsse, um Veränderungen erfolgreich anstoßen zu können. Digitalisierung sei, neben Globalisierung und Individualisierung, einer von drei großen Trends die uns aktuell bewegen. Dabei verwies er ausdrücklich auf die Geschäftsführungs- und Vorstandsebene, die in ihrer Funktion eine besondere Verpflichtung habe. Wichtig ist dabei vor allem „den eigenen Keller aufzuräumen“ bevor man ein Projekt beginnt – gute Stammdatenqualität ist hier das Stichwort. Roboter und Menschen sieht er in der Zukunft in gewinnbringender, erfolgreicher Zusammenarbeit. Nie sei es einfacher für traditionelle Unternehmen gewesen zu innovieren als heute. Aber nur, wenn man es richtig angeht.

Jubiläum steht vor der Tür!

Die Gäste des VuP-Forums 2018 bekamen viel Input, wie man sich im Umfeld der Digitalisierung erfolgreich fit machen und verändern kann. Wenn Sie unser VuP-Forum verpasst haben, gibt es einen Trost. Nächstes Jahr haben Sie wieder eine Chance für eine Teilnahme. Für uns wird es ein Jubiläumsjahr. Sie dürfen gespannt sein. Freuen Sie sich auf das 10. VuP-Forum 2019.