Robotik in der Logistik – 5 Fragen an unseren Experten Kristian Luersen

10. September 2019 | Blog, Logistik

Robotik in der Logistik – 5 Fragen an unseren Experten Kristian Luersen

Laut einer Umfrage unter Experten in der deutschen Logistikbranche, gehen 38% der Befragten Logistiker davon aus, dass Automatisierung und Robotik eine hohe Relevanz für das eigene Unternehmen haben. 24% der Befragten gehen sogar von einer sehr hohen Relevanz aus, wohingegen nur 4% angeben, dass Robotik und Automatisierung eine sehr geringe Relevanz aufweisen.

Da die deutsche Robotik- und Automationsbranche weltweit führend ist und 2019 mit einem Umsatz von über 15 Mrd. € gerechnet wird, haben wir unseren Experten Kristian Luersen zu diesem Thema befragt. Denn die Branche entwickelt sich stetig und mit wachsendem Tempo weiter und ist in den unterschiedlichsten Bereichen zu finden. Vom Haushaltsroboter über den Pflegeroboter bis hin zum Roboter in der Produktion und Logistik. Doch wie genau der aktuelle Stand ist, was bereits möglich ist und wohin die Entwicklung führt, ist oft nicht ganz transparent.  

In der Robotikforschung treten ständig neue Innovationen im Bereich der Produktion und Logistik auf. Was gibt es für aktuelle Entwicklungen in der Robotik? Welche Einsatzformen sind in der Logistik aktuell bereits üblich?

In der Logistik gibt es eine Vielzahl an möglichen Einsatzformen. Um die Bedeutung für die Themen rund um Logistik und IT deutlich zu machen, möchte ich einige Beispiele nennen. So gibt es einerseits ganz klassisch Produktionsroboter, der schon seit den 70er Jahren existiert, wie ihn sich jeder vorstellen kann. Diese werden programmiert und arbeiten die Programme dann ab. Neuere Technologien setzen dagegen auf autonome Systeme, die mit ihrer Umwelt interagieren können. Ich denke z.B. an fahrerlose Transportsysteme (FTS). Diese werden immer häufiger im Rahmen von logistischen Prozessen, wie z.B. im Kommissionierprozess, eingesetzt und tragen so zur Effizienzsteigerung bei. Des Weiteren kann man sich den Einsatz von Drohnen vorstellen, die beim Warehouse Management teilweise autonom unterstützen können, beispielsweise im Rahmen der Inventur.

Wenn man den Kreis noch weiter springen will, ist es auch möglich, die Bedienung von Software durch Robotic Process Automation (RPA) zu automatisieren. Das bedeutet, dass einzelne Aufgaben oder auch komplexe Geschäftsprozesse von einem Roboter übernommen werden können. So könnten Roboter die manuelle Eingabe von Daten in bestimmten Systemen mit Benutzeroberfläche übernehmen. Hier darf man sich natürlich keinen, großen ungelenken Robotarm vorstellen, der mühsam Tasten drückt. Sondern in dem Fall sind Softwareroboter gemeint.  Ein Vorteil von RPA ist die schnelle Implementierung zu relativ geringen Kosten. Dabei darf jedoch der Aufwand, der entstehen könnte, um den Roboter funktionsfähig zu halten und ihn beispielweise an Änderungen in der Benutzeroberfläche bzw. in der vom Roboter zu bedienenden Software anzupassen, nicht unterschätzt werden.

Auch das Thema Interaktion mit dem Roboter wird immer wichtiger. Hier sind verschiedene Ansätze denkbar: Direkte Steuerung über ein Interface, z.B. über eine App. Anbindung an IoT-Plattformen und auch die direkte Ansteuerung des Shopfloors über e-Commerce Plattformen ist mittlerweile möglich, was ganz neue Geschäftsmodelle ermöglichen kann.

Die Anschaffung eines Roboters ist häufig eine große Investition. Jedoch entwickelt sich die Technologie stetig weiter. Während die eine Technologie noch lange nicht abgeschrieben ist, ist sie bereits wieder veraltet. Wie kann dem entgegengewirkt werden?

Dies ist eine Frage, die viele Unternehmen beschäftigt. Skalierbarkeit wird dabei immer wichtiger. Hier kommen Überlegungen auf wie: Welchen Bedarf an einer Leistung habe ich und wie stelle ich sicher, dass ich die Leistung auch wieder reduzieren kann, wenn der Bedarf nicht mehr besteht. Darauf gibt es aktuell mehrere Antworten. Zum einen gibt es Roboter, die aus einer Art Baukastensystem bestehen und so flexibel angepasst werden können. Damit müsste im Optimalfall bei Neuerungen nicht der komplette Roboter, sondern nur einzelne Komponenten ausgetauscht werden.

Weiter gibt es Anbieter, die Leasing-Modelle oder Miet-Modelle anbieten, womit auf die Unternehmen im Vergleich zum Kauf keine so großen Investitionen zukommen. Zudem sind sie flexibler, können sich so am aktuellen Trend orientieren und wettbewerbsfähig bleiben. Wenn man noch etwas weiterdenkt, wäre auch eine Art Plattformökonomie möglich. Das heißt, dass es Anbieter gäbe, die eine Produktionsleistung anbieten und Abnehmer, die sich diese nach Bedarf einkaufen können, ohne den Roboter selbst zu sich ins Haus zu holen.

Was siehst du für Vorteile beim Einsatz von Robotern? Wo liegen die größten Herausforderungen bei der Einführung?

Ein großer Vorteil sind Effizienzsteigerungen, aus welchen sich wiederum eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit ergeben kann. Zudem können einige Branchen ihren Bedarf an Arbeitskräften aus dem Arbeitsmarkt heraus nicht mehr abdecken und sind somit gezwungen zu automatisieren. Dagegen bestehen Herausforderungen vor allem in der Angst vor dem Neuen. Die Entwicklungen gehen heute so schnell, dass man Gefahr läuft den Mitarbeitern die Angst vor dem Kollegen Roboter nicht nehmen zu können. Um das zu erreichen, ist es wichtig, die Mitarbeiter an die Hand zu nehmen und mit ihnen gemeinsam das Projekt anzugehen.

Eine weitere Herausforderung ist, dass diese Technologien der Robotik so komplex sind, dass der Know-how Bedarf zum Einführen und Betreiben solcher Systeme ebenfalls enorm hoch ist. Daher ist entsprechendes Fachpersonal zur erfolgreichen Einführung und auch zum anschließenden Betrieb unabdinglich.

Was kannst du aus deiner Erfahrung über die Akzeptanz von Robotik von Unternehmen und vor allem von den Mitarbeitern sagen?

Mir hat letztens ein Unternehmer gesagt, dass er gezwungen ist zu automatisieren, da er keine Arbeitnehmer findet. Mitarbeiter reagieren dagegen oft eher reserviert. Sie sehen die Einführung von Robotern und Automatisierung in ihrem Unternehmen anfangs oftmals kritisch und haben Angst ersetzt zu werden. Um ihnen diese Angst zu nehmen, sollte klar kommuniziert werden, dass der Roboter kein Ersatz ist, sondern als Unterstützung fungieren soll. Die Mitarbeiter sollten in den Einführungsprozess einbezogen werden. Sie kennen die Prozesse am besten, wissen wo sie Unterstützung gebrauchen können und welche Aspekte bei den zu erledigenden Arbeitsschritten beachtet werden müssen. Außerdem können so auch anfängliche Berührungsängste genommen und Multiplikator-Effekte genutzt werden.

Für wen ist Robotik ein Thema? Nur für große Konzerne oder auch für kleinere Unternehmen?

Die Möglichkeit, sich der Robotik über verschiedene Mietmodelle anzunähern, macht das Thema auch für kleinere Unternehmen immer interessanter. So können Erfahrungen mit Robotertechnik gesammelt werden, ohne große Investitionen anzustoßen. Die großen Konzerne sind sicherlich die Vorreiter in der Robotik, die das ganze Thema vorantreiben. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten sich aber besonders auch mittelständische Unternehmen diesen Themen öffnen. Hier ist insbesondere gefordert, neue Dinge zu wagen, zu experimentieren und auch mal zu scheitern, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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