Retourenvernichtung im Online Handel

25. Juni 2019 | Blog, Logistik

Vernichtung von Retouren und Neuwaren

Bereits mehrfach ist Amazon bei dem Thema Retourenmanagement und Entsorgung in Kritik geraten. Amazon soll, genau wie andere Online-Händler, Retouren und auch Neuwaren in Massen vernichten. Doch was ist an diesen Anschuldigungen dran und wieso handelt der Online-Gigant so? Das sind aktuelle Fragen, die auch die Politik beschäftigen. Aktuell werden Gesetzesvorschläge ausgearbeitet, die dem Entsorgungswahn entgegenwirken sollen.

Deutschland ist Retouren-Europameister

Laut Statistiken wird in Deutschland etwa jedes sechste Paket retourniert, bei Kleindung sogar mehr als jeder zweite Artikel. Das ergibt auf ein Jahr gerechnet fast 500 Millionen Produkte, die aus den unterschiedlichsten Kategorien stammen. Neben den Schuhen und Kleidung werden auch andere Produkte aus Kategorien wie Handys oder Waschmaschinen zurückgeschickt.

 Deutschland verzeichnet die meisten Retouren innerhalb Europas. Schuhe und Kleidung machen etwa die Hälfte der zurückgeschickten Produkte aus. Von diesen Waren wird ein Großteil erneut zum Verkauf angeboten, jedoch werden auch etwa vier Prozent der Retouren vernichtet.

Wo liegen die Ursachen?

Ein erster Punkt ist die Gesetzeslage bei Hygieneartikeln, die mit dem Körper intensiv in Berührung kommen. Laut Gesetz sind diese im Falle einer fehlenden Versiegelung bei der Rückgabe nicht wiederzuverwenden und müssen somit vernichtet werden.

Ein weiterer Punkt sind oftmals schlichtweg die Kosten. Die Wiederaufbereitung von Produkten und das Zurückbringen in den Verkauf ist ein kostspieliger Prozess, der vor allem bei Gütern von geringerem Wert ökonomisch nicht rentabel ist. Die Kosten des Wiederaufbereitungsprozesses übersteigen teilweise sogar die Kosten der Herstellung.

Außerdem müssen Artikel entsorgt werden, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Dies gilt sowohl für den stationären als auch für den Onlinehandel. Im Onlinehandel ist dieser Punkt jedoch durch Lieferzeiten, die mit einberechnet werden müssen, gravierender. Viele Produkte sind nach Ablauf der Mindesthaltbarkeit immer noch in gutem Zustand, müssen aber aufgrund der Gesetzeslage entsorgt werden.

Hinzu kommt der Punkt, dass manche Artikel einfach nicht gekauft werden – es entsteht ein Lagerüberhang. In diesem Fall wird kalkuliert, wie lange ein Artikel bereits eingelagert ist und was der Lagerplatz das Unternehmen jährlich kostet. Wenn der Platz im Lager nicht mehr ausreicht oder die Einlagerung zu hohe Kosten birgt, werden die Waren vernichtet.

Weiterhin spielt die Vernichtung von Waren auch eine buchhalterische und steuerliche Rolle. So müssen Güter, die noch funktionstüchtig sind, in der Bilanz aufgeführt werden. Ein zerstörtes Gut wird sofort als Totalverlust verbucht und fällt aus den Kalkulationen heraus.

Die Schuld liegt nicht nur bei den Unternehmen

Die Hauptursache für das Handeln der Online-Unternehmen jedoch ist das Verhalten der Konsumenten. Immer mehr Bestellungen führen zu einem Anstieg an Retouren und oftmals gehen die Endkunden sorglos mit den Gütern um, die ihnen nicht gehören. Somit stehen Online-Händler vor einer großen Anzahl an Retouren, die nur teils wieder in den Warenwirtschaftskreislauf eingebracht werden können.

Das Verhalten der Kunden wird jedoch auf der anderen Seite von Online-Shops durch das Angebot eines kostenlosen Rückversands und eines langen Rückgaberechts gefördert. Das wiederum verleitet zum Bestellen von Artikeln, die nicht präzise ausgewählt werden oder im Fashion-Bereich zum Bestellen von Kleidungsstücken in mehreren Größen, um zu Hause bequem das Passende auszuwählen.

Wieso spenden die Unternehmen die Ware nicht einfach?

Wenn neuwertige Produkte oder Produkte mit kleinen Makeln vernichtet werden, mag die Frage aufkommen, wieso die E-Commerce-Händler ihre Güter nicht an gemeinnützige Organisationen spenden. Dies mag mehrere Gründe haben, welche teils wirtschaftliche, teils einfach Bequemlichkeitshintergründe hat.

Ein Grund für die Vernichtung von Gütern ist die Steuergesetzgebung. Wenn Unternehmen die Güter vernichten, verschwinden sie aus ihrem Bestand und die Händler tragen nur die ihnen entgangenen Umsätze bzw. die Einkaufskosten. Wenn die Güter jedoch gespendet werden, muss die Umsatzsteuer entrichtet werden.

Hinzu kommt die Logistik, die in Richtung der Hilfsorganisationen organisiert und finanziert werden müsste. Es gibt zwar erste Lösungen wie die Innatura-Plattform (https://www.innatura.org/), welche neuwertige Sachspenden einsammelt und an gemeinnützige Organisationen vermittelt. Derartige Konzepte sind jedoch noch rar. Somit ist es für Unternehmen aus ökonomischer Sicht meist sinnvoller, die Güter zu entsorgen als sie zu spenden.

Was tun, um das Verschwendungsproblem zu bremsen?

Viele Online-Händler treffen nach eigenen Angaben bereits einige Maßnahmen, um möglichst viele Retouren wieder in den Warenwirtschaftskreislauf zu bringen. So werden laut Amazon etwa 79% wiederaufbereitet und als A-Ware weiterverkauft. 13% werden als B-Ware verkauft. Außerdem werden einige Retouren auch zurück an Lieferanten gesendet und etwa drei Prozent werden an industrielle Verwerter verkauft oder an gemeinnützige Organisationen gespendet.

Um die Retourenquote besser kontrollieren zu können, können auch Predictive Analytics Verfahren mehr und mehr dienen. Somit können durch Datenanalysen unter Einbezug des vergangenen Kaufverhaltens von Konsumenten Prognosen über die Retouren Wahrscheinlichkeit getroffen werden.

Was wird aktuell in den Gesetzesvorschlägen ausgearbeitet?

Das Ministerium arbeitet derzeit eine Gesetzesgrundlage aus, welche die Vernichtung von Neuware reglementieren soll. Diese soll in der „Obhutspflicht“ verankert sein, sodass rechtlich gegen Vernichtungen vorgegangen werden kann.

Dabei sollen laut Forderungen die folgenden Punkte berücksichtigt werden.

  • Es soll dem Online-Handel verboten werden, neuwertige Retouren zu vernichten.
  • Weiter sollen nicht verkaufsfähige Retouren z.B. über Sozialkaufhäuser verschenkt werden.
  • Zudem sollen die Rohstoffe von nicht verkaufsfähigen Produkten zurück in den Wertstoffkreislauf gelangen.
  • Außerdem wird über eine Befreiung von der Umsatzsteuer für Sachspenden diskutiert. Als kritischer Punkt wird hier der Weiterverkauf der Spenden teils ins Ausland angesehen.
  • Ein weiterer Punkt, der von mehreren Seiten gefordert wird, ist die Förderung von Reparaturleistungen. Somit könnte der Neigung der Konsumente, ein Produkt zu ersetzen statt es reparieren zu lassen, entgegengewirkt werden.

Wie kann man dem Ganzen besser vorbeugen?

Eine Option wäre, den Konsumenten zu mehr „Bewusstsein“ bei Onlinebestellungen zu erziehen, beispielsweise über die Erhebung von Retourkosten. In diesem Fall würden sich Kunden eventuell einmal mehr durch den Kopf gehen lassen, was sie bestellen und in welcher Anzahl.

Außerdem könnten zukünftig Technologien wie „Virtual Reality“ oder „Augmented Reality“ zu einem Rückgang von Fehlbestellungen führen. Mit diesen Technologien könnte ein Kleidungsstück bereits vorher anprobiert werden, Möbel in einem Raum geplant werden und auch eine Lösung zur Anprobe von Brillen ist online bereits teilweise im Einsatz.

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