Ein halbes Jahrzehnt VuP–Forum

Ein halbes Jahrzehnt lang bildet nun schon das VuP Forum eine Anlaufstelle für mittelständische Unternehmen, um sich auszutauschen und fortzubilden. Die von Vallée und Partner initiierte Unternehmerrunde wartete wieder mit einem Programm auf, das für jeden Mittelständler etwas bot. Es gab wissenschaftliche Beiträge, Umsetzungen aus der Praxis bei einem Mittelständler und einem Großunternehmen, es konnte neue Technik bestaunt werden und es wurde auch ein bisschen provoziert. Der Technologiehof in Münster hat sich seit dem ersten Zusammentreffen als Tagungsort etabliert. So traf man sich auch dieses Jahr hier: Zum fünften VuP – Forum.

Erster Redner des Tages war Franz Vallée, der den fachlichen Teil mit seinen Ausführungen einleitete. Vallée gab den wissenschaftlichen Rahmen der Veranstaltung vor, indem vor den rund 60 anwesenden Unternehmensvertretern erläuterte, was Logistik eigentlich ist und welche Anforderungen an IT–Konzepte im Detail zu stellen sind. Das statistische Datenmaterial lieferte der Professor der Fachhochschule Münster gleich mit. So sind nur 26% der IT Projekte erfolgreich. Rund ein Drittel dieser Projekte in Unternehmen scheitern gänzlich und der Rest, mithin über 40%, gilt als eingeschränkt erfolgreich. Die Umsetzung erfolge dabei häufig mit doppelten Kosten und signifikant erhöhtem Zeitaufwand bei verringerter Effektivität. Den Grund für diese schlechten Werte, die von der Standish Group anhand von 40.000 Einzelprojekten erhoben wurden, sieht Vallée in der schlechten Zuarbeit im zuständigen Team und in unklaren Anforderungen an die Umsetzung. Aber auch in häufigen Änderungen während des Projektes. Es sei viel zielführender die Mitarbeiter von vorneherein in Veränderungen mit einzubeziehen und klare Anforderungen zu stellen, die auch jeder verstehen kann. Das obere Management müsse unterstützend auf die Belegschaft einwirken. Lösungen müssen machbar sein, Schwachstellen müssen durch Aufarbeitung mit den Mitarbeitern vermieden werden. Eine gemeinsame Entwicklung mit den Menschen sei der Garant dafür, dass am Ende alles auch wirklich klappt. Erst dann sollte die Umsetzungsphase beginnen. Viele Unternehmen scheitern an den hohen Anforderungen, die die Umstellung auf eine neue IT mit sich bringt. Eine Lösung sieht Vallée im sogenannten MOT–Prinzip. Der Mensch steht immer im Mittelpunkt, unterstützt durch Organisation und Technik. Ein Logistikberater könne die Hilfestellung geben, die das Unternehmen im Veränderungsprozess selbst nicht imstande ist zu leisten. Vallée und Partner böte diese Leistungen an und blicke auf viele erfolgreich umgesetzte Projekte in diesem Bereich zurück.

Auch zukunftsweisende Technologie durfte natürlich nicht fehlen. Florian Rühl von der itiZZiMO GmbH stellte die neusten Trends im Bereich der smart – glasses vor. Bekanntestes Beispiel ist hier das Modell von google, das er zur Ansicht mitgebracht hatte. Bis 2018 sollen zehn Million smart – glasses verkauft sein. „Wir reden hier über einen Markt um die 19 Milliarden US – Dollar“, schwärmt er. Die Vorteile liegen auf der Hand, so Rühl. Freihändiges, papierloses Arbeiten mit erhöhter Sicherheit und Sprachsteuerung. Alle entscheidenden Informationen werden direkt ins Sichtfeld projiziert. Scans der Barcodes im Versand werden automatisch verbucht. Mögliche Anwendungsmöglichkeiten sind in der ganzen Warenkette zu finden, wie zum Beispiel in der Kommissionierung. Aber auch der Lern- und Trainingseinsatz kommt in Betracht, um die Mitarbeiter zu schulen. Nach seinem Vortrag konnte jeder Interessierte das Gerät selbst testen. Viele kritische Fragen wurden in diesem Zusammenhang gestellt. Besonderen Wert legte Rühl auf Datenschutzkriterien. Die Brille zeichne nichts auf. Sie sei lediglich als interaktives Display gedacht und scannt auf Anfrage. Eine Speicherung würde nicht stattfinden, beschwichtigte er in diesem Zusammenhang.

Den innovativsten Vortrag, und gleichzeitig provokantesten, brachte Robert Ehlert über die PackInvest AG ein. Sein Thema: Vertrauen. Das hört sich erstmal oberflächig an. Dann ging Ehlert aber ans Eingemachte und lies an etablierten Unternehmensstrukturen, die er als Misstrauenkulturen beschrieb, kein gutes Haar. Natürlich formulierte er bewusst überzogen – er wollte polarisieren.

Das gelang ihm auch, nachdem das Publikum eine kurze Schockstarre überwunden hatte. So ein Feuerwerk an Argumenten hatte man nicht erwartet. Gestenreich erläuterte er, dass sich der Personalmarkt in den nächsten fünf Jahren extrem wandeln werde. Wenn man gute Mitarbeiter halten wolle, dann müsse man ihnen etwas bieten. Kompetenzen, Zufriedenheit und Raum zur Entfaltung. Gleichzeitig stelle er nur Leute ein, die mündig sind, so seine Formulierung. Unter anderem würden Mitarbeiter in seinen früheren Unternehmen ihr Gehalt selbst festlegen. Er vertraue den Angestellten und seine Mitarbeiter, innerhalb einer solchen Unternehmensführung, vertrauen ihm. Diese Herangehensweise sei Ausdruck eines positiven und respektvollen Menschenbildes. Individualität müsse nicht nur akzeptiert, sondern gefördert werden. „Der Arbeitsmarkt wandelt sich, sie werden sehen – und zwar radikal“, redete Ehlert auf die Anwesenden ein. Ein ums andere Mal parierte er kritische Nachfragen und konnte sich auf die nach wie vor sehr erfolgreichen Unternehmen, die mal unter seiner Führung standen, berufen. Auch PackInvest bildet da keine Ausnahme.

Michael Müller hat die IT–Leitung bei den Lackwerken Peters GmbH & Co KG inne. Als Assistent der Geschäftsleitung seines Unternehmens, beschrieb er die Problemstellung vor der man bei Peters noch vor kurzem stand. Insgesamt waren die Maschinen und Personalauslastung nicht optimal. Leerzeiten waren an der Tagesordnung und so ging Zeit und Geld verloren. Eine verbesserte Organisation musste her. Zuerst habe man sich an die Effizienz-Agentur NRW gewandt, führte Müller aus. Dort erhielt man dann Vorschläge, welche Beratungsunternehmen helfen könnten und kam schließlich zu Vallée und Partner. Für sein Unternehmen sei hier maßgeblich gewesen, dass man sich mit dem Partner und dessen Herangehensweise identifizieren kann. Der Schutz und der Erhalt der Mitarbeiter im Unternehmen hatte oberste Priorität. Man habe bei Peters die Idee des MOT-Prinzips von Anfang an geteilt. Bei der gemeinsam erstellten Roadmap sollten alle Mitarbeiter von Anfang an mit einbezogen werden. Die Begleitung durch VuP bei diesem Prozess hob Müller besonders hervor. Als dann die Ausschreibung und Vergabe an einen IT–Dienstleister „in-time“ und im Budget erfolgte, sei man sehr zufrieden gewesen und die Zuversicht habe sich bestätigt. Es mache halt den Unterschied, wenn man fachliche Unterstützung hat. Zu seiner Überraschung habe es eine kritische Projektphase, wie sie zu erwarten gewesen wäre, nicht gegeben.

In einer kleinen Pause mit Kaffee und Kuchen hatte man dann Zeit sich über das bisher geschehene auszutauschen. Netzwerken war angesagt; neue Kontakte knüpfen und Meinungen austauschen. Viele trafen sich bereits zum fünften Mal wieder. Andere waren das erste Mal dabei. An den Tischen wurde munter durchgetauscht und bei einem gemeinsamen Getränk vom gut organisierten Catering, kam so manches neue Projekt für die Zukunft ins Rollen.

Mit Frank Koch trat dann der Global–Player des Tages auf. Die Georgsmarienhütte GmbH produziere heute alles on – demand, also auf Anfrage. Die Zeiten, in denen große Bestände vorgehalten wurden sind vorbei, ließ Koch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wissen. Sein Thema war der Wettbewerb durch Internationalisierung und Globalisierung. Ein Stahlproduzent von der beachtlichen Größe, wie der der Georgsmarienhütte GmbH, müsse klare Ziele formulieren. Er müsse kundenorientiert sein und leistungsfähig. Die Eigenständigkeit müsse gewahrt bleiben und die Umwelt müsse möglichst geschont werden, während aller Prozesse der Produktion. Schließlich müsse ein Gewinn abfallen. Genau das stelle sich im globalen Wettbewerb als äußerst schwierig da. Eine 75 – prozentige Auslastung sei notwendig, um kostendeckend zu wirtschaften, so Koch. Die Finanzkrise habe das Unternehmen gezwungen zu rationalisieren und Überkapazitäten abzubauen. Ohnehin sei der Wettbewerb extrem hart für energieintensive Unternehmen. Europas Energiekosten sind viel höher als in Nordamerika oder in vielen Schwellenländern. Jeder Cent mehr bedeutet für sein Unternehmen bedeutende Mehrkosten. Alles, was man teurer sei, muss man auch besser sein. Heute könne die Georgsmarienhütte GmbH in einem Zeitraum von weniger als zwei Tagen jeden Kundenwusch bedienen. Dies würde durch ein ebenfalls mit VuP erarbeitetes Logistikkonzept mit einem sogenannten Yard-Management-System erreicht, das eine hohe Kapazitätsauslastung ermögliche, eine hohe Termintreue biete und durch kurze Durchlaufzeiten und geringe Bestände zu punkten verstünde. Ein Ganzzug – Konzept ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Man habe sich für einen privaten Bahn – Dienstleister entschieden. Der jährlichen Kostensteigerung von drei bis sechs Prozent bei der Versandlogistik der Produkte, kann so schließlich begegnet werden. Millioneneinsparungen sind die unmittelbare Folge.

Dann war es zwanzig vor sieben. Ehlert wollte eigentlich um sieben vom Flughafen Münster – Osnabrück zum nächsten Termin jetten. „Na dann wird’s aber Zeit“, scherzte er. Shakehands zum Schluss. Und sodann klang das fünfte VuP Forum so langsam aus. Da war wirklich für jeden Geschmack was dabei.

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