E-Commerce Plattformen in China Teil 2

18. Dezember 2018 | Allgemein, Blog, Logistik, Omnichannel

Pakettransport in 24 Stunden quer durch China und in 72 Stunden einmal um die Welt

Wenn die Mission eines chinesischen Logistikdienstleisters lautet, alle Sendungen innerhalb Chinas in 24 Stunden sowie die weltweiten Sendungen innerhalb von 72 Stunden beim Endkonsumenten auszuliefern, stellt sich die Frage, wie dieses ambitionierte Ziel erreicht werden kann.

477.000.000 Chinesen geben 530.000.000.000 € für Onlineshopping aus

China ist das bevölkerungsreichste und zugleich viertgrößte Land der Erde. Die logistischen Herausforderungen bestehen daher zuallererst in der effizienten Überwindung großer Distanzen, ein Vorhaben, welches durch die vielfältige Geografie mit Wüste, Seen, Bergen, Flüssen, Küste, Grasland und Millionenmetropolen nicht erleichtert wird.

Des Weiteren werden schon heute rund 530 Mrd. € pro Jahr im chinesischen E-Commerce Markt umgesetzt, die Tendenz ist stark steigend. Bei einem jährlichen Wachstum von 12% wird im Jahr 2022 mit einem Marktvolumen von 919 Mrd. € gerechnet. Wenn 2006 noch 34 Millionen Chinesen online eingekauft haben, waren es zehn Jahre später schon 466 Millionen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass um die Mission der 24-Stunden bzw. 72-Stunden Auslieferung erfüllen zu können, eine stetig steigende Anzahl von Paketen schneller ausgeliefert werden muss.

Die Gründung und Idee von Cainiao

Um den boomenden E-Commerce Markt in China bedienen zu können, gründete die Alibaba Group im Jahr 2013 gemeinsam mit acht weiteren Unternehmen den Logistikdienstleister Cainiao (seit Ende 2017 ist Alibaba mehrheitlicher Eigentümer). Wie bereits in unserem ersten Artikel „Die Webseite Taobao wird jährlich häufiger aufgerufen als Twitter – wer oder was steht dahinter?“ erläutert, ist die Alibaba Group das dominierende E-Commerce Unternehmen Chinas und hat daher ein hohes Interesse an einer möglichst effektiven und effizienten Logistik.

Im Gegensatz zu den in Deutschland bekannten Logistikunternehmen wie Hermes oder der DHL besitzt Cainiao keinen eigenen Kurierservice, sondern betreibt eine Logistikdatenplattform, welche E-Commerce Anbieter und Logistikdienstleister zusammenbringt. Dies führt laut Cainiao zu einer verbesserten Effizienz, da die zum jeweiligen Zeitpunkt vorhandenen logistischen Ressourcen dem Bedarf der E-Commerce Anbieter zugeordnet werden. Von diesem Plattformansatz verspricht Alibaba sich eine Vereinfachung der Geschäfte und signifikante Reduzierung von Arbeitskosten.

Damit Cainiao für die Onlinehändler eine attraktive Lösung für den Versand der Pakete darstellt, musste ein möglichst großes Netzwerk an Logistikdienstleistern geschaffen werden, welche der Plattform beitreten und im eigenen Unternehmen das Logistiksystem von Cainiao implementieren. Dank der Bestellvolumina der Alibaba Plattformen Taobao (C2C) oder Tmall (B2C) besteht der notwendige Attraktivitätsfaktor für die Logistikdienstleister, sodass die Plattform seit ihrer Gründung 2013 ein starkes Wachstum verzeichnet und über Cainiao derzeit 100 Millionen Pakete am Tag bearbeitet werden.

Mit Big Data und künstlicher Intelligenz zum Erfolg

Um die Mission der 24-Stunden-Auslieferung innerhalb Chinas sowie der 72-Stunden-Auslieferung von Paketen weltweit realisieren zu können, haben Alibaba und Cainiao 2018 einige Projekte präsentiert, welche eine Steigerung der Effizienz der Logistik zum Ziel haben.Im Wesentlichen geht es darum, die aktuell auf manueller Beladung, Planung und Überwachung basierenden Logistikparks durch neuste Technik und Anwendungen wie Internet of Things (IoT), Big Data, Edge Computing und künstlicher Intelligenz zu digitalisieren.

Im Folgenden werden die wichtigsten Cainiao Projekte beschrieben:

  • „Cainiao Future Park“

Shanghai

Skyline von Shanghai

Das erste smarte Logistikzentrum entsteht in einem 160.000m² großen Komplex in Wuxi, nahe Shanghai. Hier werden Sensoren automatisch Wasser-, Elektrizitäts-, Temperatur- und Feuchtigkeitswerte messen und bei Auffälligkeiten direkt Alarm schlagen. Des Weiteren können dank intelligenter Technologien die Lagerkapazitäten in Echtzeit bewertet und der Verkehr innerhalb des Parks gesteuert werden.

 

 

 

  • Intelligente Logistikroboter

Zusätzlich zu den Lösungen wie IoT und Big Data werden zukünftig Roboter in den Logistikzentren eingesetzt. So werden Pakete auf vollautomatischen, mit Roboterarmen ausgestatteten Montagelinien verarbeitet, welche durch über 500 automatisch gesteuerte Fahrzeuge am Boden bearbeitet und anschließend auf dem effizientesten Weg zu Lageristen zur Sortierung und Verteilung geliefert werden.

Laut Alibaba sollen die Roboter die Schritte pro Arbeiter am Tag um 50.000 reduzieren, was eine um 30% verbesserte Personaleffizienz bedeutet. Neben den Logistikrobotern wird Ende 2018 der Roboter G Plus soweit entwickelt sein, dass er bei Warenauslieferungen helfen kann. G Plus kann mehrere Pakete gleichzeitig transportieren, hat einen Höchstspeed von 15km/h und ein integriertes Navigationssystem, welches ihm den schnellsten und kürzesten Weg bei der Auslieferung der Pakete an die Endkonsumenten zeigt.

  • „Cainiao Box“

Das smarte Schließfach „Cainiao Box“ wird von den Verbrauchern vor dem Haus installiert, damit Pakete und Lebensmittellieferungen auch in Abwesenheit ausgeliefert werden können. Die Kuriere öffnen die Cainiao Box mittels Gesichtserkennung und legen dort die Pakete ab. Gleichzeitig kann die Temperatur in den Schließfächern über eine mobile App angepasst werden, sodass Speisen und Getränke kalt oder warmgehalten werden.

Ausbau des globalen Logistiknetzwerkes

Zusätzlich zu den technologischen Innovationen, an welchen die Alibaba Group mit Cainiao arbeitet, soll das globale Logistiknetzwerk des Konzerns weiter gestärkt werden. Hierzu werden fünf neue Logistikzentren in Dubai, Hangzhou, Kuala Lumpur, Liége (Belgien) und Moskau gebaut. Um diese untereinander bestmöglich zu vernetzen und die 72-Stunden-Auslieferung weltweit realisieren zu können, werden zwei neue Luftfracht-Routen eingeführt: Hong Kong – Liége sowie Hangzhou – Moskau.

Des Weiteren wird derzeit an einem digitalen Logistikzentrum am Flughafen in Hong Kong gearbeitet, dem größten Cargo Flughafen der Welt. Dieses wird mit der neusten Technologie ausgestattet, kostet knapp 1,3 Mrd. €, wird bei Fertigstellung eine Fläche von 380.000qm haben und soll 2023 in Betrieb genommen werden.

Initiative: Grüne Logistik 2020

Sowohl weltweit wie auch in China wächst das Bewusstsein für Umweltschutz und nachhaltige Logistik. Die Alibaba Group reagiert darauf mit der „Alibaba Green Logistics Initiative 2020“, bei welcher die verschiedenen Geschäftsbereiche sich zu mehr Nachhaltigkeit verpflichten. So werden Verkaufsplattformen wie Tmall und Taobao die Verwendung von recycelten und biologisch abbaubaren Verpackungen erhöhen.

Auch Cainiao hat sich ambitionierte Ziele gesteckt. Schon 2016 gründete man in Zusammenarbeit mit 32 Logistikpartnern das „Green Logistics Project“ und 2017 die „Cainiao Green Alliance Foundation“. Diese ist Chinas erste gemeinnützige Organisation, die sich speziell auf die Forschung zur Förderung von grüner Logistik spezialisiert und die Verringerung von Umweltbelastungen durch die Logistikbranche zum Ziel hat.

Im Rahmen der Initiative „Grüne Logistik“ sollen bis 2020 e-Autos für Logistikaufgaben in 100 chinesischen Städten eingesetzt werden. Zusätzlich wird an einem KI-Algorithmus gearbeitet, welcher intelligentes Routing in 40.000 Dörfern ermöglichen soll, wodurch die durchschnittliche Länge von Lieferfahrten in ländlichen Regionen um 30% verkürzt werden würde.

Eine weitere Veränderung wird die vermehrte Anwendung von E-Versandetiketten sein. Diese Maßnahme wurde im Jahr 2014 erstmals durchgeführt und ersetzt traditionelle Papieretiketten. Bis 2020 sollen jährlich 40 Milliarden Pakete mit E-Etiketten versendet werden, was über eine Milliarde Blätter Papier einspart und damit mehr als drei Millionen Bäume schützt.

 

Wussten Sie…?

11.11. – Karnevalsstart in Deutschland und Singles Day in China

Während am 11. November in (Teilen von) Deutschland ausgelassen der Start in die Karnevalszeit gefeiert wird, heißt es in China zur selben Zeit „Shoppen bis der digitale Warenkorb platzt“. Der sogenannte „Singles Day“ wurde von der Alibaba Group im Jahr 2009 eingeführt und ist mit dem amerikanischen Black Friday und Cyber Monday vergleichbar.

Ursprünglich hatte der Singles Day nichts mit Shopping zu tun. Er wurde erstmals 1993 an der Universität in Nanjing gefeiert und war dazu gedacht, dass Singles andere Singles kennen lernen oder auch einfach nur um ausgelassen zu feiern. Da Alleinstehende in China oft noch heute gesellschaftlich bemitleidet werden, hatte die Alibaba Group 2009 die Idee, Singles mit günstigen Online-Shopping-Preisen zu trösten. Neun Jahre nach Einführung hat der Singles Day jedoch nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Sinn gemeinsam, sondern ist vor allem eine Rabattschlacht, in der jährlich neue Rekordumsätze erzielt werden, welche die Online-Verkaufszahlen von Black Friday und Cyber Monday inzwischen übertreffen. Dieses Jahr wurde am 11.11. ein Gesamtumsatz von 30,2 Mrd. US-Dollar erzielt, was den im Vorjahr aufgestellten Rekord noch einmal um 8,7 Mrd. US-Dollar übertraf. Im Vergleich dazu erzielten Black Friday und Cyber Monday zusammen im letzten Jahr einen Online-Umsatz von 7,2 Mrd. US-Dollar.

Mehr zu den Rabattfeiertagen erfahren Sie in unserem Artikel „Black Friday, Cyber Monday, Singles Day – die Rabattschlachten im November“.

 

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