E-Commerce Plattformen in China Teil 1

11. Dezember 2018 | Blog, Logistik

Die Webseite Taobao wird jährlich häufiger aufgerufen als Twitter – wer oder was steht dahinter?

Taobao ist chinesisch und bedeutet übersetzt „einen Schatz ausgraben“. Dass diese Vision in Erfüllung gehen und taobao.com im Jahr 2018 die dominierende C2C-E-Commerce Plattform in China sein würde, konnte Jack Ma, Gründer von Alibaba und Taobao, bei der Entwicklung im Jahr 2003 noch nicht wissen. Doch bereits damals war ihm bewusst, dass das Marktpotenzial von China im Bereich des Onlinehandels gewaltig ist. Bei einer Population von über 1,3 Mrd. Menschen nutzen derzeit 770 Mio. Chinesen das Internet.

Zum Vergleich: Platz 2 weltweit behauptet Indien mit 460 Mio. Internetnutzern und Platz 3 die USA mit 290 Mio. Internetnutzern. Wenig überraschend liegt China auch in der Statistik der höchsten E-Commerce Umsätze auf Platz 1 mit einem prognostizierten Umsatz von 529.000 Mio. € im Jahr 2018; im Gegensatz dazu erzielt Deutschland einen Umsatz von 63.000 Mio. €.

Die Entstehung von Taobao

Als eBay in den Jahren 2002 und 2003 nach und nach die chinesische E-Commerce-Plattform eachnet.com aufkaufte, um so einen Zugang zum attraktiven chinesischen Markt zu finden, beschlich die Alibaba Group die Sorge, dass der Konkurrent eBay ihre Zukunft bedrohen würde. Alibaba war zu diesem Zeitpunkt lediglich mit der B2B-Plattform alibaba.com auf dem chinesischen Markt vertreten und entschied sich mit Taobao eine C2C-Plattform zu gründen, um mit eBay zu konkurrieren und die Marktführerschaft anzugreifen.

Bereits zwei Jahre nach der Gründung, das heißt im Jahr 2005, konnte Taobao 59% Anteile am C2C-Markt für sich verzeichnen, wohingegen eBay nur noch auf 36% Marktanteile kam. 2003 lag eBay mit knapp 80% noch unangefochten auf Platz eins. Um diese Entwicklung aufzuhalten, versuchte eBay Taobao zu akquirieren. Nachdem es zu keiner Einigung mit Alibaba kam, zog sich eBay 2006 langsam aus dem chinesischen Markt zurück und überließ damit Taobao das Feld. Heute kommt Taobao auf einen Marktanteil von 95,5% im chinesischen C2C-Onlinemarkt.

Mit LiveChat Funktion und eigenem Bezahlsystem zum Erfolg

Doch wieso bevorzugen die Chinesen Taobao im Gegensatz zu der schon etablierten Plattform eBay?

Taobao verfolgt ein Low-Cost und Low-Margin Business Model, was bedeutet, dass der Umsatz hauptsächlich durch Werbung und weitere Dienstleistungen erwirtschaftet wird. Um zu Beginn Kunden auf die Plattform zu locken, promotete Taobao „free for three years“. Die Kunden konnten sich kostenlos ein Konto einrichten und mussten für drei Jahre keine Gebühren für Transaktionen zahlen. Inzwischen erhebt Taobao Transaktionsgebühren von 2,5% des Einkaufs- bzw. Verkaufswertes, jedoch liegen diese damit weiterhin deutlich unter den Gebühren von eBay, die bei 8,5% des Transaktionswertes liegen.

Eine weitere Differenzierung zu eBay schafft Taobao durch die LiveChat Funktion AliWangwang. Da es in der chinesischen Kultur dazugehört um den Preis von Produkten zu verhandeln, können Käufer und Verkäufer über AliWangwang direkt miteinander kommunizieren. Im Gegensatz zu Taobao bietet eBay keine LiveChat Funktion an, da die Befürchtung besteht, dass die Verkaufspartner auf eBay lediglich verhandeln und anschließend ihr Geschäft offline abschließen, um den Transaktionsgebühren zu entgehen.

Eigenes Bezahlsystem Alipay

Aufgrund der Tatsache, dass im Jahr 2003 lediglich 1% der Chinesen eine Kreditkarte besaß, führte Alibaba zudem ein eigenes Bezahlsystem, AliPay, ein. So wurde zum einen das Problem der fehlenden Kreditkarten umgangen und zum anderen sicherte sich Alibaba das Vertrauen der Nutzer, ein Faktor der im betrugsanfälligen chinesischen E-Commerce von hoher Bedeutung ist. AliPay funktioniert ähnlich wie das PayPal Prinzip: Beim Kauf eines Produktes überweist der Käufer das Geld an Taobao bzw. AliPay, doch erst wenn die Ware in einwandfreiem Zustand beim Käufer angekommen ist, wird das Geld an den Verkäufer weitergeleitet.

Alibaba führte nicht nur ein eigenes Bezahlsystem ein, sondern ermöglichte es den Käufern zusätzlich Geld auf der Plattform einzuzahlen, um Renditen zu kassieren. Die Intention dahinter ist, dass die Renditen im Umkehrzug wiederum in das Online Shopping reinvestiert werden können. Des Weiteren gibt es für Kunden die Möglichkeit, durch Teilnahme an verschiedenen Aktionen Punkte zu sammeln, welche beim Einkauf eingelöst werden können, um Produkte für weniger Geld bzw. umsonst zu erhalten.

Taobao Dörfer als Weg aus der ländlichen Armut

In einem Land der Gegensätze existieren Millionenmetropolen wie Peking, Chongqing oder Guangzhou neben ländlichen Gegenden mit schwacher Infrastruktur und niedrigen Gehältern, aus welchen die Arbeitskräfte aufgrund mangelnder Beschäftigungsmöglichkeiten abwandern. Aus diesem Grund ist der Ausbau von E-Commerce in ländlichen Regionen ein wichtiger Baustein um die Optimierung des Marktumfeldes, die Modernisierung der Infrastruktur und die Reduzierung des Arbeitskräfteüberschusses voranzutreiben.

Als Reaktion auf diese Umstände entwickelte Alibaba das Konzept der Taobao Dörfer. Als Taobao Dorf darf sich eine Stadt bezeichnen, in welcher mindestens 10 Mio. Yuan (ca. 1,37 Mio. €) Jahresumsatz durch E-Commerce erzielt wird und in der wenigstens 100 Onlineshops, welche ihre Produkte auf Taobao anbieten, existieren. Sind beide Voraussetzungen erfüllt werden die Dörfer durch Alibaba und lokale Behörden durch den Aufbau von Breitbandinternet-Diensten, Straßenbau und Verbesserung der Energieversorgung unterstützt.

Landwirte werden gezielt geschult, um sie zu ermutigen sich am Onlinehandel zu beteiligen

Laut des chinesischen Umweltministeriums existierten Ende 2016 über 1300 Taobao Dörfer in 18 Provinzen. Diese schaffen 840.000 neue Arbeitsstellen und erwirtschaften ein Online-Einzelhandelsvolumen mit landwirtschaftlichen Produkten von 30 Mrd. €. Im Vergleich zum Jahr 2015 bedeutet dies eine Steigerung um 46%. Durch die Verbreitung des Internets und logistische Verbesserungen können lokale Probleme wie Informationsmangel und eine schwache Infrastruktur nach und nach verringert werden. Zusätzlich steigen das Entwicklungspotenzial und der Konsumbedarf in abgelegenen Regionen.

Durch die neu entstehenden Geschäftszweige in den ländlichen Gegenden können immer mehr der Dorfbewohner, welche vor Einführung der Taobao Dörfer in Fabriken weit weg von ihrer Heimat ihr Geld verdienen mussten, in ihre Dörfer zurückkehren.

Die Abwanderung der ländlichen Bevölkerung sank zuletzt dank der gestiegenen lokalen Erwerbsmöglichkeiten um 12 Millionen Chinesen pro Jahr. Um die Dorfbewohner zu Beginn von dem Projekt Taobao zu überzeugen, wurden in den ersten Jahren auf Gebühren für Transaktionen sowie auf Registrierungskosten auf taobao.com verzichtet.

So entstanden für die Nutzer keine Risiken und jeder Kleinunternehmer konnte seine Produkte ohne Angst vor finanziellen Einbußen Millionen von Kunden über das Internet anbieten. Durch die ersten Erfolge ließen sich immer mehr Dörfer inspirieren. Die meisten Taobao Dörfer spezialisieren sich auf ein Produkt, beispielsweise Damenkleidung oder traditionelle chinesische Musikinstrumente. Aber auch Landwirte haben nun die Möglichkeit ohne Umweg über den Großhändler ihre Produkte zu verkaufen.

Verkauf von 48.000 Artikeln pro Minute

Die Zahlen des Erfolges sprechen für sich: Heute befindet sich taobao.com unter den zehn meistbesuchtesten Webseiten der Welt. Noch vor Twitter. In China liegt Taobao sogar auf dem dritten Platz und hat eine Penetrationsrate von 87%. Laut eigenen Angaben sind 500 Millionen Nutzer registriert, von welchen 60 Millionen täglich aktiv sind. Auch die Produktpalette steigt kontinuierlich. Derzeit können 800 Millionen verschiedene Produkte gekauft werden und pro Minute landen 48.000 Artikel im Warenkorb.

Doch wie lassen sich diese unfassbaren Mengen an Waren logistisch abfertigen? Dieser Frage gehen wir in unserem nächsten Blogartikel „China Teil II“ nach.

Infokasten Alibaba:

Im Jahr 1999 wurde die Alibaba Group von Jack Ma gegründet. Sich selbst sieht Alibaba als „Ermöglicher für Marken und Hersteller“, welcher durch sein Marktplatzmodell Services, wie die Plattform, Marketing-Tools und Zahlungsdienstleistugen zur Verfügung stellt. Das ambitionierte Ziel Alibabas ist es, bis 2036 zwei Milliarden Kunden, davon 1,2 Milliarden Kunden außerhalb Chinas, auf seine Plattform zu locken. Schon heute kontrolliert Alibaba 80% des chinesischen E-Commerce Marktes; damit verzeichnet Alibaba weltweit mehr Verkäufe als Amazon und eBay zusammen.

Im Folgenden eine Übersicht über die Dienste und Plattformen, welche Alibaba betreibt, um den Kunden ein optimales Einkaufserlebnis zu ermöglichen:

  • Alibaba.com: B2B-Plattform
  • Taobao.com C2C-Plattform
  • Tmall.com B2C-Plattform in China
  • EliExpress B2C-Plattform in Europa und Amerika
  • Lazada B2C-Plattform in Südostasien
  • AliPay Bezahldienstleister
  • AliYun Webservice-Dienstleister
  • Cainiao Logistiknetzwerk

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